Eintrittskarte

Gärten im Städtebau: Das Finale!

Yogamatten im Vereinshaus am Ende des Universums

OOOOOOOM … durchatmen … tiiiieeeef hinein ins metaphysische Selbst. Geschafft! … wieder eine Vollversammlung überlebt. Der innerliche Dampfkessel wurde dank Meditation zumindest vor dem Überkochen bewahrt.

Beendet war der Abend aber noch lange nicht, denn im Nachgang der Versammlung, die in Ermangelung eines eigenen Vereinshauses in einem benachbarten Gartenverein stattfand, fragte mich der Gastwirt, wie unser Gartenbauverein es geschafft habe, sich zu modernisieren.

Ich versuchte ihm zu erklären, wie man einen Gartenbauverein in einem sich stark verändernden Stadtviertel verankern könne um für ein gutes Miteinander und eine positive Außenwahrnehmung zu sorgen. Begriffe wie Öffnung, Harmonie und Vernetzung wollten Eingang in seine Gehörgänge finden.

Sein ins Nichts gerichteter Blick zeigte mir allerdings, dass er nicht verstand, was ich ihm mitteilen wollte. Zu unterschiedlich unsere Welten … dann wohl doch lieber Frühschoppen.

Und genau so sah das Vereinshaus auch aus: ganz alte Schule. Dunkel, es roch nach kaltem Rauch … Bierflaschen und Schnapsgläser als schemenhafte Geister noch auf den Tischen stehend … im Hintergrund glaubte man verhallendes Gelächter betrunkener Männer zu hören.

Die moderne Variante, also eine in der Yogamatten und veganes Essen eine Rolle spielen könnten, war definitiv in einem anderen Universum zu Hause.

Infinite Improbalitiy Drive

Dies im Hinterkopf, war ich doch sehr gespannt auf die Preisverleihung des Bundeswettbewerbs “Gärten im Städtebau“, zu der das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat sowie der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde geladen hatte.

Inhaltlich lag der Fokus auf Vereins- und Flächenenwicklung im gesellschaftlichen Wandel. Dabei sollten ausdrücklich nicht die schönsten blühenden Gärten ausgezeichnet werden. Nachhaltigkeit und Vielfalt sowie (soziales) Engagement sollten gewürdigt werden. Zur Erinnerung: Unser Verein war einer der 20 Nominierten (Klick!).

Anwesend war neben Prominenz aus Bundes- und Kommunalpolitik die Crème de la Crème der deutschen Kleingartenszene: die Vorstände der nominierten Vereine, die Landesverbände, der Bundesverband und als Beweis dafür, dass man verstanden hat, dass es dieses „Internet“ wirklich gibt, auch ein paar BloggerInnen.

Das Ganze wirkte auf den ersten Blick wie ein Bundestreffen der “Brigade in Beige”. Davon darf man sich jedoch nicht täuschen lassen, denn dies ist eine der wenigen Begebenheiten, zu der sich mehrere Universen parallel in ein und demselben Raum befinden und bereist werden können. Hinter den Wanderhosen und den in selbige gesteckten Karohemden verbergen sich zudem stark umworbene Menschen. Keine reinen Gartennerds, sondern echte Stakeholder!

Sie pachten, verwalten und begrünen eine extrem nachgefragte Ressource: Boden. Bedenkt man, was allein in Hamburg unternommen wird, um Wohnungen zu bauen, kann man sich ausmalen, was das bedeutet. Viele von Ihnen haben das auch begriffen. Für sie ist dieser Wettbewerb nicht einfach nur ein Wettbewerb um Bundesgelder zu verbraten, für sie geht es um mehr: Eigenwerbung.

Babelfish

In der Sprache der Biologie ausgedrückt, “sichert eine hohe Variabilität und damit die Fähigkeit zur Anpassung das Fortkommen einer Spezies”. Die “Spezies Schrebergärtner” ist gerade mitten in diesem Prozess.

Übersetzt und positiv formuliert handelt es sich also um einen Wettstreit, der einen guten Indikator dafür darstellt, was in der Kleingartenszene jenseits bzw. inklusive aller Klischeevorstellungen aktuell passiert. “Denn mit Garden-Sharing, Rent-A-Beet, Ernte-Teilen oder Artenschutzprojekten nehmen die KleingärtnerInnen gesellschaftliche Impulse auf und entwickeln sich und ihre Kleingärten beständig weiter ” (Quelle: Klick!).

Dies wurde bei der Preisverleihung mehr als deutlich. Viele Vereine hatten Kooperationen mit Kindergärten, Schulen oder Senioreneinrichtungen. Wilde Wiesen vertreiben getrimmte Rasenflächen und überall summen Bienen. Hinzu kommt, dass neue Ansätze des Gärtners und der Vereinsarbeit die Strukturen langsam verändern. Die Herausforderung wird angenommen. Nur eins ist ist einfach nicht tot zu kriegen: der Gartenzwerg!

Handtuch vergessen!

Der Spirit der Preisverleihung war eher olympisch geprägt. Sämtliche Nominierten hatten zuvor bereits Landeswettbewerbe für sich entschieden und konnten sich somit bereits als Gewinner fühlen. Hier und heute, beim Finale, ging es um Bronze, Silber oder Gold … sowie ein Preisgeld von insgesamt 25.500 €. Jeder Verein erhielt auf Grundlage der eingereichten Unterlagen sowie der Vorortbegehung durch die Jury eine der drei Auszeichnungen.

Unsere Verein bekam eine Auszeichung in Silber überreicht, was auch meiner Einschätzung entsprach. Denn wir haben als Verein einiges an Innovationen auf die Beine stellen können, was den Kriterien des Wettbewerbs entsprach. Das ist schwieriger als man gemeinhin denkt und schon alleine dafür ist ein Preis fällig!

Zudem waren wir meiner Meinung nach einer der wenigen Vereine bei dem das Wort “Städtebau” mit Fug und Recht verwendet werden konnte. Eine Kolonie im Wandel mitten in einer großen STADT, nicht in einer kleinen und auch nicht am Stadtrand. Das ist ein wichtiger Unterschied … denn unser Kampf ist ein anderer …

Die Entwicklung innovativer Ansätze und deren gemeinschaftliche Umsetzung war anderen Vereinen allerdings besser gelungen, zumindest soweit das aus den Videobeiträgen deutlich wurde. Besonders kreativ und lebendig wirkte beispielsweise der KGV Am Ebenberg e. V. in Landau (Rheinland-Pfalz). Hier schien mir der Zusammenhalt der Gartenfreunde stärker ausgeprägt zu sein, was sich in einem gemeinsamen innovativen Ansatz widerspiegelte.

Oftmals konnte man auch schon aus der Zusammenstellung der Delegationen auf der Bühne Rückschlüsse über den Spirit und Zusammenhalt der einzelnen Vereine ziehen.

Bei der Begehung durch die Jury wurden von allen Gartenbaukvereinen kurze Einspieler gedreht (hier findet Ihr alle Filmbeiträge).

 

… ach und apropos Öffnung nach Außen usw. Die Verleihung war nicht öffentlich … Zutritt nur mit Eintrittskarte …

So long and thanks for all the fish!

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