Tagesschau

Du musst Dein Leben ändern! Der Goldene Blogger Award

Du, du, du, du, du und dein Leben
Du, du, du, du, du und Du, Ihr beide müsst dein Leben ändern.
Du, du, du, du musst Dein Leben ändern,
Yeah, yeah, yeah, ha, wenn ich nur wüsste, welches Leben ich ändern müsste
und welches besser nicht.

(Peter Licht, Das Ende der Beschwerde)

Ich und Ich

Ich gebe zu, ich bin gestört! Meine Grundeinstellung zum Leben ist deutlich misanthropisch geprägt. Tief im Innern misstraue ich Allem und Jedem. Menschen mag ich nicht sonderlich. Und so mutiere ich regelmäßig zu einem kleinen Psychopathen, der anderen absichtlich auf die Füße oder vors Schienbein tritt. Ja genau, das war ich neulich im Bus!

Diese Charaktereigenschaft zeigt sich insbesondere beim Zusammentreffen mit Menschengruppen. Auslöser kann etwas eigentlich Banales sein wie beispielsweise U-Bahn-Fahren aber eben auch, oder gerade, ein Ereignis mit hohen repräsenativem Wert, wie beispielsweise eine Awardverleihung. Dort bin ich dann immer der Typ hinten in der Ecke. Der, der nichts sagt und blöd in der Gegend rumglotzt. Denn eigentlich bin ich gar nicht da und sitze wahlweise zusammengekauert oder schmollend zu Hause unterm Tisch oder im dunklen Kleiderschrank. Niemand soll mich stören oder ansprechen. Bei Anlässen, bei denen es darauf ankommt, gut netzwerken zu können, ist diese Eigenschaft natürlich eher suboptimal.

Jeder Mensch hat eigene Taktiken damit umzugehen. Mein Hirn ist besonders gemein zu mir und belohnt dieses Verhalten auch noch mit der Einstellung, dass ich eh viel cooler bin als alle anderen. Oder aber es flüchtet sich auf eine intellektuelle Ebene. Bei einer solchen Verleihung sagt der kleine Mann in meinem Kopf dann: es handelt sich bei dem ganzen Kram schlicht um ein autopoetisches System. *Darunter ist zu verstehen, dass die Systeme sich in einem ständigen, nicht zielgerichteten autokatalytischen Prozess quasi aus sich selbst heraus erschaffen. Die Systeme produzieren und ….* BLA BLA BLA …

Also alles nur Fake? Alles nur in sich selbst existierend und sich selbst (re)produzierend? Ein Like hier, ein Like da und zwischendurch ganz viele Herzchen die von Bots vergeben werden. Und, ja, mit den Scheißalgorithmen ist das eh alles fürn Arsch, oder? Diskussion beendet! … ?

Tja, irgendwie muss man ja klar kommen, so außerhalb der Gruppe. Sich vor Ort dann selbst zu regulieren ist eine ziemliche Herausforderung. Der normale Ablauf? Das Ende der Veranstaltung, und damit der Beginn des eigentlichen Netzwerkens, finden ohne mich statt und ich habe anschließend zwei Tage schlechte Laune.

Ich, ein Anderer

So geschehen auch bei der Verleihung des Goldenen Blogger Awards für den ich in der Kategorie DIY sogar nominiert war! Zugegeben, man kann den Ablauf der Gala an einigen Punkten optimieren. Ja, es waren zu viele Kategorien, ja, einige davon hatten nichts mit dem Bloggen zu tun und ja, ich fand es schade, dass unsere Blogs nicht vorgestellt wurden und wir keine Gelegenheit hatten etwas zu sagen. Aber schlussendlich kommt es darauf an was man daraus macht! Zum Reden mit Leuten gab es ausreichend Gelegenheit. Die kommen halt nur nicht zu mir in die hinterste Ecke des Raums, unter den Tisch oder in den Kleiderschrank gekrochen. Ich steh mir also einfach gerne selbst im Weg. Isso!

Die Goldenen Blogger 2017 im Telefónica BASECAMP

Traurig daran ist, dass schöne Dinge an einem sehr geheimen Ort in meinem Gehirn aufbewahrt werden. So hatte ich wunderbare Gespäche innerhalb der Randgruppe der sogenannten DIY-Blogger, also mit Tim von Timschraubtbass und Jenni von Kunecoco. Mit an unserem Tisch war auch eine echte Notaufnahmeschwester , deren Blog ich gerne lese. Ohne meinen kleinen Fanclub mit Caro vom Hauptstadtgarten und Camilla von MilliBloom wär eh alles doof gewesen.

UND, meine Blogbezeichnung der Gartenbaukunst hat es bis in die Tagesthemen geschafft! Auf einem Bild mit Ingo Zamperoni, ICH! Auch mit der wunderbaren Lilli Hollunder durfte ich im Nachgang Gedanken austauschen.

DIY_Blogger

Tim, Jenni und ich.

Etwas beruhigt hat mich zudem, dass ich nicht der Einzige bin, der in solchen Situationen ein Anderer ist. Ich zitiere einmal aus einer Unterhaltung mit einer ebenfalls nominierten Person:

Sie: Ich bin auch gar nicht so richtig mit vielen Leuten ins Gespräch gekommen irgendwie. Dabei hatte ich das so fest vor. Socially awkward.

Ich: Ich auch. Genau das!!! Das konnte ich noch nie.

Sie: Ich hab nicht mal EINE Visitenkarte verteilt.

Ich: Ich auch nicht!!!

Sie: Aber hauptsache 100 einstecken gehabt 🙂

Ich: Ich auch. Genau so!!!

Was lernen wir daraus?

Aufstehen, Atmen, Anziehen und Hingehen.
Zurückkommen, Essen und Einsehen
zum Schluss:
dass man weitermachen muss

(Kettcar, Landungsbrücken raus)

Das solls gewesen sein mit meinem Bericht und zugleich das Ende der Beschwerde, denn “Gesellschaft ist toll, wenn nur all die Leute nicht wärn”.

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