Vorher

Baumschnitt / Devil’s Haircut

Kindererziehung ist ein mühsames Geschäft – eine Geheimwissenschaft, in welche nur eingeweiht ist, wer selber Kinder hat. Interessant finde ich, dass sich Menschen das Dasein in dieser an sich schon komplizierten Parallelwelt noch zusätzlich dadurch erschweren, in dem sie aus jedem Furz einen Kackhaufen machen.

Dabei wird es dann auch recht schnell fundamentalistisch. Als Beispiele seien genannt: Stillen ja oder nein und wenn ja wie lange? Anschließend Brei oder Flasche? Wie geht das mit dem Durchschlafen, dem Trockenlegen und der Schnullerentwöhnung? Krieg bricht dann spätestens bei der Frage nach dem Impfen aus.

Eine ganz ähnliche Wissenschaft in der Welt des gemeinen Gärtners ist der Baumschnitt. Auch hier prallen Welten und Philsosophien aufeinander. Jeder im Gartenverein möchte mitreden oder weiß es besser. Einigkeit besteht lediglich darüber, dass ein Baum beschnitten werden muss, damit er gesund wachsen und viele Früchte tragen kann. Denn dann konzentriert sich die gesamte Energie auf den Austrieb der verbleibenden Knospen und Blüten.

Wir haben in unserem Garten einen wunderschönen Apfelbaum der Sorte Boskop, er ist ca. 28 Jahre alt. Mein Vorpächter hatte die grandiose Idee, diesen mit einer Motorsäge zu bearbeiten. Er hat dabei Leitäste gestutzt und insgesamt dafür gesorgt, dass der Baum bei der Übernahme durch uns genau 3 Äpfel trug. Drei verdammte Äpfel! Big Mess … #terrible #sad #alles neu.

Man muss einen Hut durchwerfen können

Ok, das hört sich einfach an. Aber worauf genau ist beim Schnitt zu achten?

  1. Bevor es losgehen kann, benötigt man gutes Schneide- und Sägewerkzeug sowie Wundsalbe um größere Schnitte zu behandeln. So können keine Krankheitserreger in den Baum eindringen.
  2. Gutes Timing ist wichtig: Bester Zeitpunkt ist bei einem Apfelbaum der Februar. Zu dieser Zeit lässt der Frost ein wenig nach und der Baum befindet sich noch in der sog. “Saftruhe”.
  3. Es lohnt sich, den Baum zuvor genau anzugucken und zu analysieren. Welches sind die Wassertriebe? Welches die Leitäste? Wo befinden sich die Fruchttriebe?
  4. Anschließend wird überlegt, welche Äste gefördert werden sollen und welche nicht. Wichtig ist hierbei, genügend Äste zu finden, die förderungsfähig sind. Die Last sollte nicht auf wenige Äste verteilt werden, da diese sonst später unter der Fruchtlast zu brechen drohen.
  5. Die Schnitte sollten möglichst glatt durchführt werden.
  6. Wassertriebe sollten herausgeschnitten werden – besonders wenn es sehr viele sind. Sie schießen schnell, gerade und steil in die Höhe und tragen keine Früchte.
  7. Äste, die sich kreuzen, müssen entfernt werden (zumindest einer davon). Diese stehen sich im Weg, behindern sich gegenseitig im Wachstum und nehmen sich Licht und Energie
  8. Enfernt werden müssen zudem Äste, die unter der Fruchtlast des Vorjahres gebtrochen sind. Zur Vermeidung dessen siehe Punkt 4!
  9. Nicht alles im ersten Jahr machen, sondern das Projekt aufbauend über mehrere Jahre strecken. Der Baum muss sich anpasssen können und verträgt es nicht gut, wenn andauernd an ihm herumgeschnippelt wird.
Vorher

Vorher

Nachher

Nachher

So sah mein Apfelbaum nach dem letzten Ausschnitt im Februar 2017 aus. Mit Sicherheit nicht alles vorschriftsmäßig, aber immerhin sieht er nicht mehr wie der Struwwelpeter. Der Haircut musste sein.

 

 

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