Titelbild Blogbeitrag

Ein Gartenteich(lein)

Wahlverwandtschaften: Gemeinsam sind wir schwach

Jens und ich sind Wahlverwandte. Er ist einer jener Menschen die man sieht und ein Gefühl bekommt als stehe man vor einem Spiegel. Und das obwohl wir uns erst zweimal trafen. Wir sind abwesend Anwesende. Gerne meiden wir größere Menschenansammlungen, halten uns im Hintergrund. Auch die Leidenschaft für den Garten teilen wir und die für Musik sowieso. Und, ja, wir sind bekennende Distelfetischisten! Unsere Gehirne scheinen irgendwie miteinander verdrahtet zu sein …

Und so geschah es, dass wir unabhängig voneinander zur gleichen Zeit einen Gartenteich angelegt haben. Zum Glück gibt es Instagram und so konnten wir uns über unsere Gedanken, Erfahrungen und Fortschritte austauschen.

Dabei haben wir festgestellt, dass es dann doch einiges zu beachten und zu bedenken gilt bei unseren Vorhaben. Und das am besten bevor man mit dem Graben beginnt. Außerdem stellten wir fest, dass es gartenteichmäßig zwei verschiedene Welten gibt, die des kleinen Teiches und die des großen.

Nun, was soll ich sagen? Jens wollte natürlich unbedingt den Dicken machen und hat sich für einen großen Teich entschieden, ich für ein eher kleineres Modell.

Wir haben unsere Erfahrungen jeweils in einem Blogbeitrag zusammengefasst. So könnt Ihr lesen, vergleichen und Euch dann für eine Variante entscheiden.

Am Ende des Textes findet Ihr den Link zum Beitrag von Jens.


Does size realy matter?

Ja, auch vor meinem inneren Auge manifestierte sich sofort eine Art Parklandschaft im Miniaturformat mit geschwungenem Teich, Hügelbeet, Wasserpflanzen, einem romantisch plätschernden Wasserlauf mit fliegenden Fischen die ich von einer Holzbank aus beobachte.

Und, in der Tat gilt bei einem Teich grundsätzlich folgendes Motto: umso größer, desto besser. Ein großer Teich lässt sich einfacher in ein ökologisches Gleichgewicht bringen und man umgeht die Gefahr irgendwann eine Mischung aus stinkendem Moor und Kloake im Garten zu haben. Weniger Pflegeaufwand ist ein weiterer Vorteil größerer Anlagen. Auch stumme Zuhörer in Form von Fischen sind definitiv eher etwas für größere Teiche.

Mir wurde aber schnell klar, dass ein großer Teich für meinen Garten, meine Ressourcen, meine finanziellen Mittel und mein handwerkliches Geschick nicht in Frage kam. Und, nun ja, auch meinem zugegeben etwas eigenwilligem Ästhetikempfinden passte das nicht so recht in den Kram. Ich mag Gegensätze. Also Plan B: das kleinere charmante Upcycling-Modell.

Teicharten

Mein Blick schweifte durch den Garten und landete bei der Sandkiste von Käthe. Die wollte ich ja eh neu machen …. und, zack, Idee, ich nehme die Umrandung der Sandkiste und baue daraus einen Teich!

Dieser Entscheidung schloss sich die Frage an, ob ich einen Folienteich möchte oder eine fertige Schalenform bevorzuge.

Schalenteiche sind schnell und unkompliziert angelegt, einfach in Reinigung und Pflege, haben eine hohe Stabilität und die unterschiedlichen Teichzonen sind bereits eingearbeitet. Zudem sind sie flexibel was eine Änderung des Standorts angeht.

Allerdings sind die Ränder dieser Teiche meist sichtbar, es gibt sie nur bis zu einer bestimmten Größe und sie bieten einfach wenig in Sachen Individualität.

Bei einem Folienteich wiederum ist ein eigenes kreatives Design möglich und sie sind örtlich anpassungsfähig. Dafür muss man aber insgesamt besser planen und der Einbau ist recht zeitaufwendig.

Somit hatten sich fast alle zuvor gestellten Fragen geklärt. Formgebung: quadratisch! Größe: klein! Schalenform? Nein! Folie? Ja!

Standort und Formgebung

Als nächstes stellt sich dann die Frage welcher Abschnitt des Gartens sich am besten als Standort eignet. Hier kommt am ehesten ein halbschattiges Plätzchen in Frage. Schon einige Stunden Sonne am Tag sind ausreichend um das Wachstum der Wasserpflanzen zu fördern. Längere Sonneneinstrahlung wiederum kann zu Sauerstoffmangel und unerwünschtem Algenwachstum führen.

Das Gelände rund um den Gartenteich sollte eben sein, damit das Wasser nicht den umliegenden Gartenbereich überschwemmen kann. Außerdem sollte der Boden nicht zu sehr mit starken Wurzeln durchsetzt sein, um undichte Stellen zu vermeiden. Ebenso sollten sich keine Kabel im Erdreich befinden.

Auch den Standort des Teiches hatte ich recht zügig im Kopf. Geplant war ja bereits die Dachrinne der Laube als eine Art Aquädukt in den Garten zu verlängern und so das Wasser für den Teich zu nutzen. Das Ergebnis findet Ihr hier. Somit war klar, dass der Teich relativ dicht an der Laube entstehen wird.

Die Form des Teiches sollten man logischerweise der Gartengestaltung anpassen. Hat der Garten zum Beispiel eher naturhafte Konturen, sollte auch der Gartenteich diese Form annehmen. Hier würden rechtwinkelige Teichanlagen schlecht hineinpassen. Diese fügen sich viel eher in Gärten mit rechtwinklig gehaltener bzw. geometrischer Linienführung harmonisch ein.

Was braucht man alles?

Folgendes Material wird benötigt:

  • Teichfolie,
  • Flies,
  • etwas feiner Sand,
  • Farbe für die Sandkiste,
  • Pflanzen für verschiedene Wassertiefen,
  • evt. eine Pumpe

Werkzeug:

  • Spaten,
  • Schaufel,
  • Schubkarre,
  • Takker,
  • Schere,
  • Teppichmesser,
  • Wasserwaage

Schrittchen für Schrittchen

Nachdem ich den Sandkistenrahmen gesäubert und neu gestrichen hatte nutze ich ihn um die Umrisse des Teiches zu markieren. Dafür habe ich den 1,40 m x 1,40 m Rahmen einfach auf den Boden gelegt, gerade ausrichtet und dann die Umrisse mit Sandkistensand markiert. Anschließend habe ich noch die Stufen der verschiedenen Teichzonen markiert.

Denn man sollte in einem Teich grundsätzlich zumindest drei unterschiedliche zonen einrichten:

  • Sumpfzone: am Ufer (10 bis 20 cm tief)
  • Flachwasserzone: schließt an der Sumpfzone an und ist (40 bis 50 cm tief)
  • Tiefwasserzone: in der Mitte des Gartenteichs mit (80 bis 150 cm Tiefe)

Dann kommt der anstrengende Teil: buddeln! Hier kann ich Euch den Tipp geben, die verschiedenen Erdschichten auf unterschiedliche Haufen zu schaufeln. Ansonsten hat man anschließend das Problem, dass die weniger gute Erde oben liegt.

Nach den Ausgrabungsarbeiten kommt das, was ich als Fuddelkram bezeichne. Dies ist ein Nachteil wenn man so stur ist wie ich und einen kleinen Teich unbedingt mit Folie auslegen muss. Man bekommt dann viele Falten die nicht nur scheisse aussehen, sondern auch eine erhöhte Rissgefahr mit sich bringen. Zudem sammelt sich in den so entstehenden Taschen allerhand Schmodder den man einfach nicht haben will, wie zum Beispiel Algen.

Auf dem Bild wird deutlich was ich mit Fuddelkram meine. Die Folie einigermaßen ordentlich auszulegen und zu positionieren ist nicht so einfach und mir definitiv nicht gelungen. Das wirkt dann doch eher wie das Gesicht eines 90jährigen. Es ist klug die Folie zuvor in die Sonne zu legen. Dann kann man sie besser in Form ziehen. Für das Umklappen der Ecken verwenden Profis einen Heißluftföhn. Ich nicht. Wie das genau das geht könnt Ihr hier nachlesen.

Zum Schluss habe ich die Folie zurechtgeschnitten und mit einem Takker am Rahmen befestigt. Ja, mit einem Takker! Das habe ich dann zwei Tage so gelassen. Warum? Ich weiß es nicht. Ich hatte das Gefühl das es sich setzen muss. Dann muss man nur noch Wasser einlassen.

Sonstiges

Für die Unterschiedlichen Zonen des Teiches habe ich dann noch einiges an Pflanzen besorgt. In die Mitte sollte natürlich eine schöne kitschige Seerose.

Die beste Zeit zum Bepflanzen des Gartenteichs ist der Frühling oder der Frühsommer. Bepflanzt wird der Teich von innen nach außen. In die Tiefwasserzone können die Pflanzen in versenkbaren Pflanzkörben gepflanzt werden.

Zudem habe ich mir noch einen solarbetriebenen Springbrunnen angeschafft. Das sieht sogar einigermaßen ok aus. Er hält auch das Wasser ein wenig in Bewegung und sorgt so für Sauerstoff.

Den Beitrag von Jens findet Ihr hier: https://www.derhagenberg.de/

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